Ein Interview von uns im Straubinger Tagblatt

Zwei Cousins „sacken“ alles ein

Artikel aus dem Straubinger Tagblatt vom 10.09.2016 von Valerie Tielich.

Geiselhöring. Der Paketzusteller klingelt mal wieder vergeblich an der Tür, denn der Empfänger ist nicht da. Wiederkommen, an einer Paketstation oder beim Nachbarn abgeben sind die Optionen. Möglichkeiten, die aber nicht jeder Empfänger gut findet. Thomas Singer aus Geiselhöring (Kreis Straubing-Bogen) hat das Problem gelöst und zusammen mit seinem Cousin Josef Singer den Paketsafe auf den Markt gebracht. Hierfür gründeten die beiden im April die Firma Singer Innovative Solutions.

Auf die Geschäftsidee kam Thomas Singer vor einem Jahr, als er auf der Suche nach einer praktischen Lösung für das Paketproblem nicht fündig wurde. „Es gab nur Produkte, die in meinen Augen unflexibel waren oder zu teuer.“ Also begann der Elektrotechniker selbst eine Lösung zu ersinnen. Sein Produkt sollte wenige Bestandteile haben und sicher vor einem Zugriff sein. Seinem Cousin, ein Betriebswirt, präsentierte er seine Idee Ende 2015 und bat ihn um eine Marktpotenzialanalyse. Der Cousin gab bald grünes Licht und war selbst begeistert von der Idee. Nun stand für beide fest: „Das machen wir.“ Damit begann die Suche nach den passenden Zulieferern. „Uns war wichtig, dass die Zulieferer der einzelnen Teile zu den erfahrensten der jeweiligen Branche gehören.“

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Nylonsack mit Edelstahlnetz

Der Paketsafe umfasst drei Bestandteile:einen Deckel mit Halterung, Paketsack und ein Sicherheitsschloss. Halterung und Deckel kommen von einer Firma, die Standardbriefkästen herstellt. Der Sack wird von einer Firma zugeliefert, die sichere Reiseutensilien für Backpacker herstellt. Die Umsetzung des Paketsacks war das Schwierigste an dem Produkt. „Daran haben wir ein halbes Jahr getüftelt“, sagt Singer. Herausgekommen ist ein zweilagiger, wasserdichter Nylonsack, in den ein Edelstahlnetz integriert ist, das den Safe schnittsicher macht. „Mit einem Taschenmesser, einer Gartenschere oder einem Seitenschneider kommt man nicht durch den Sack durch.“ Mit einem Bolzenschneider oder einem ähnlichen Werkzeug schon. „Aber mit dieser Art von Werkzeug lässt sich auch jeder andere Briefkasten öffnen. Und so ein Vorgehen läuft bereits unter organisierter Kriminalität.“

Für solche Leute ist Singer zufolge das Paketstehlen aber unrentabel, denn in Deutschland liegt der durchschnittliche Wert eines Pakets unter 50 Euro. Die dritte Komponente ist das Sicherheitsschloss und das liefert eine Firma aus den USA. Die einzelnen Bestandteile werden in Geiselhöring zusammengebaut – mithilfe von Familienmitgliedern und Freunden.

Der Paketsafe funktioniert folgendermaßen: Der Zusteller steckt das Paket in den Sack und zieht die Drahtseilschlaufe an der Öffnung mithilfe des Schlosses zu. Nach dem Zuziehen kann das Schloss nicht mehr bewegt werden. Nur der Paketempfänger kann das Schloss nun mit einem Schlüssel öffnen. Kunden müssen den Zustellern lediglich per Formular mitteilen, dass sie die Pakete bei Abwesenheit in den Safe stecken sollen. Das entsprechende Formular stellt die Geiselhöringer Firma auf ihrer Homepage zur Verfügung.

Der Paketsafe, der auch zum Patent angemeldet ist, kostet 145 Euro. Er ist bislang in einer Größe erhältlich und in erster Linie für Häuser gedacht. „Der Sack hat ein Volumen von 140 Litern. Damit decken wir 95 Prozent aller Paketgrößen ab“, sagt Singer. Im kommenden Jahr will die Start-up-Firma auch eine Variante für Wohnungen auf den Markt bringen.

Positive Resonanz

Auf der Ostbayernschau am Gäubodenvolksfest erfolgte die Markteinführung. Die Resonanz war groß. Beide Gründer hatten das nicht erwartet. „Wir hatten am Stand nur 16 Stück unseres Paketsafes. Am zweiten Tag waren wir ausverkauft“, erzählt Singer. 60 Bestellungen sind zusammengekommen. „Der Straubinger Standort des Paketversands GLS war von unserer Idee so begeistert, dass sie jetzt Werbung für uns machen, obwohl das Unternehmen demnächst ein eigenes Produkt auf den Markt bringt.“ Die positive Resonanz auf der Ostbayernschau war für die beiden Existenzgründer, die nach wie vor in festen Berufen arbeiten, ein Signal, weiterzumachen. Langfristiges Ziel sei es, den Paketsafe in einen bestehenden Briefkasten zu integrieren. Hierbei wäre die junge Firma offen für eine Kooperation mit einem passenden Hersteller.

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